Archiv der Kategorie: Turkmenistan

Turkmenabat

In Turkmenabat angekommen, kamen wir als erstes in ein riesiges Verkehrsgetümmel, was sich als Parkplatz zu einem grossen Basar entpuppen sollte (und dies direkt als „Fortführung“ der Hauptstrasse bzw. „Autobahn). Wir hielten dann dort und erkundeten den Basar.
Danach fuhren wir kreuz und quer durch Turmenabat, es hatte aber eigentlich kaum Dinge von touristischem Interesse. Wir erkundigten uns verschiedentlich nach den Hotelpreisen, 80$ war uns aber eher zu viel und als wir eines für 40$ fanden war dies derart heruntergekommen, dass wir auch lieber verzichteten.
Wir assen dann auf einem kleineren Basar etwas, wobei die sehr junge Kellnerin plötzlich 5 Manat(ca. 2$) mehr wollte, als vorher bestimmt. Auf unsere Nachfrage bei anderen Gästen, waren sich alle einig, dass unser Preis stimme und auch die andere Kellnerin bestätigte zuerst unseren Preis, bevor sie von unserer Kellnerin gemassregelt wurde. Die Dame wollte uns dann nicht gehen lassen und wir wollten uns aber aus Prinzip nicht immer über den Tisch ziehen lassen, sodass sich die Situation erst klärte, als ihr ein anderer Gast wohl die 5 Manat zusteckte, was wir eigentlich auch nicht wollten, aber dann trotzdem gingen (wir hoffen, dass er sie zurück erhielt, da ja einfach wir als Touristen wieder ein bisschen ausgenommen werden sollten).
Dann erinnerte sich Johanna an unsere Scheinreservation eines Hotels zwecks Erhalt des Turkmenistanvisas und tatsächlich, das Hotel gab es, sah aber von aussen weitaus teurer als die bereits abgeklapperten 80$-Hotels aus. Wir fragten trotzdem nach dem Preis, der dann zwar schon 60$ betrug, dafür war das Zimmer sauber und gekühlt, hatte einen kleinen Balkon, eine richtige (und v.a. geputzte) Toilette und sogar eine Badewanne – kurz: es war die 60$ wert. Wir konnten im Hotel auch noch unsere Wäsche waschen lassen (für etwa 12$), der vorhandene Internetzugang entpuppte sich jedoch für uns als nicht praktikabel.
Nachdem wir am nächsten Tag ausgeschlafen und gefrühstückt hatten (war im Preis auch enthalten), machten wir noch letzte Provianteinkäufe und machten uns dann auf den komplizierten Weg Richtung Grenze (es existierten auf der gesamten Route seit Ashgabat max. 3 Verkehrsschilder), wo wir abgewiesen wurde, da die Grenze schon geschlossen sei (und dies um 17 Uhr!).
So drehten wir bei und fanden eine kleine Kneipe in einem Wohngebiet, wo wir etwas kleines assen und danach planten, auf dem Parkplatz zu Übernachten. Wir wurden jedoch in der Kneipe angesprochen und von einer alten Dame Namens Nadya (die als Englischlehrerin des englischen einigermassen mächtig war) zu sich nach Hause zur Übernachtung eingeladen. Wir wurden dann ihrer Familie vorgestellt, bekamen nochmals etwas zu essen (Plov) und Fabian durfte mit ihrem Sohn noch ein paar turkmenische Wodka mit Gurken und Tomaten geniessen. Danach übernachteten wir mit dem Rest der Familien unter freiem Himmel und nach einem kleinen und frühen Frühstück machten wir uns abermals auf den Weg in Richtung Grenze.
Bevor wir in die Grenzregion kamen, kam wiederum der Kontrollposten, welcher uns gestern zurückgeschickt hatte. Wir mussten für die Ausreise mal wieder kräftig zahlen, diesmal 52$ plus 20 Manat (ca. 7$). Danach ging es völlig unbeschildert weiter in Richtung Grenze, hatte aber noch viele kleine Grenzdörfer dazwischen, sodass wir manches Mal nach dem Weg fragen mussten (eine klare Hauptstrasse war, wie immer, nicht erkenntlich). Endlich gelangten wir zur nächsten Kontrolle, wo wir wiederum – weil die Eintragung des Fahrzeuges von den anderen Grenzbeamten nicht mit der Visadauer des Passes übereinstimmte –
nochmals 52$ zahlen durften. Danch wurde nochmals das Fahrzeug inspiziert und alles auf Video aufgenommen, es gab nochmals die x-te Ausweiskontrolle (es ist unglaublich, wie viele Male man so einen Ausweis kontrollieren kann) und dann war es endlich geschafft: Wir waren raus aus Turkscheissistan (wir können echt nicht empfehlen, dieses Land zu besuchen, die Leute sind zwar teilweise auch sehr nett und gastfreundlich, aber es ist ein kompletter Polizeistaat, wo die Polizisten v.a. ihr eigenes Geld machen wollen und die Grenzbürokratie ausufernd und enorm teuer ist [Grenzkosten Ein- und Ausreise = 253$], die Hotels meist schlecht und überteuert sind und keine Strassenschilder oder sonstige Orientierungshilfen existieren).
Und dann kamen wir an die usbekische Grenze, wo wir nicht keinen einzigen Dollar oder eine andere Währung brauchten und nach kurzer Kontrolle von Ausweis und Auto weiterfahren durften.

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Mary-Merv

Nach Ashgabat wollten wir nach Mary fahren, was zwar 352km entfernt liegt, nach unserer Rechnung aber in höchstens 5h zu erreichen sein sollte.
Leider hatten wir, nach den riesigen und gepflegten Strassen Ashgabats, nicht mit derart schlechten Strassenverhältnissen gerechnet. Unsere durchschnittliche Reisegeschwindigkeit lag bei ca. 42km/h und so erreichten wir bei Sonnenuntergang erst Tedzhen (210km), wo wir auf einem LKW-Schlafplatz (mit kleiner Kneipe für’s Abendessen bzw. für den Wodkanachschub der Trucker) die Nacht verbrachten.
Am nächsten Vormittag erreichten wir dann Mary, wo es schon deutlich belebter als in der Hauptstadt zu und her ging. WIr assen verschiedene „Kuchen/Pasteten“, die alle mit derselben Hackfleisch-Zwiebel-Mischung gefüllt waren und deckten uns mit etwas Fruchtproviant für die weitere Reise ein. Dann fuhren wir in die historische Ruinenstadt Merv: zuerst von den Sassaniden gebaut, dann von den Seldschuken vergrössert und zu ihrer Hauptstadt gemacht; von verschiedenen Kulturen überprägt, mit buddhistischer Stupa und islamischer Moschee versehen. An einer der Stätten Mervs (hinter der Moschee des Yusuf Hamadani), waren viele Bäume mit farbigen Tüchern umschlungen, was auf einen Fruchtbarkeitsbrauch zurückzuführen ist: Die Frauen mit Kinderwunsch knüpfen nämlich ein solches Tuch um einen der Bäume und falls sie ein Kind gebären, müssen sie jedes Jahr an diesen Ort zurückkehren und eine Ziege opfern (inwiefern hier wirklich noch Ziegen geopfert werden, konnten wir nicht eruieren, wir fanden jedoch bei oberflächlicher Betrachtung keine Tierkadaver vor).
Weil es ansonsten nicht mehr viel zu besichtigen gab fuhren wir weiter in Richtung Turkmenabat und übernachteten wiederum auf einer LKW-Raststätte mitten in der Wüste, wo es zum Abendessen erneut Pasteten mit der immer gleichen Fleisch-Zwiebel-Füllung gab. Als wir dann ein Schach spielten war das Interesse der Besitzerinnen geweckt, die alle grossen sowjetischen Schachlegenden nennen konnten.

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Ashgabat

Von der Grenze waren wir schnell in Ashgabat und als wir in die Stadt fuhren, dachten wir, dass der Kontrast zum Iran nicht grösser sein könne: Die Strassen waren beinahe unbefahren und es hatte kaum Leute.
Wir verpflegten uns dann im russischen Basar (wo es zwar Leute hatte, aber wie ausgestorben wirkte nach den türkischen und iranischen Basars) und spazierten durch’s Stadtzentrum, wobei wir des Öfteren auf Polizei und Militär trafen und uns auch des Öfteren gezwungen sahen, auf der jeweils anderen Strassenseite weiterzugehen, da man diesem oder jenem Gebäude nicht zu nahe kommen durfte. Auch fotografieren durfte man vieles nicht, einmal kam uns sogar ein Soldat hinterher und zwang uns zum Löschen des Fotos. Wir besuchten Parks uns Denkmäler und trafen: niemanden. Dafür ist der „Präsident“ (weniger euphemistisch könnte man auch Diktator schreiben) auf jedem öffentlichen Gebäude abgebildet.
Bei verschiedenen Hotels erkundigten wir uns nach den Preisen, aber unter 40 Dollar war kein Zimmer zu bekommen (natürlich gibt’s extra Touristenpreise). Wir nahmen dann ein Hotel, dessen Fassade den Eindruck erwecken mag (Foto Nr. 19), dass ein solcher Preis gerechtfertigt sein könnte; aber weit gefehlt: die Zimmer waren dann in einem katastrophalen Zustand. Versöhnlicherweise gab es am Abend jedoch das erste Bier und den ersten Kaffee seit mehr als einem Monat.
Am nächsten Tag besuchten wir dann noch das „olympische“ Stadion von Ashgabat (ich denke, ein jeder kann sich noch gut an die olympischen Spiele von Ashgabat erinnern ;-)) und hielten nochmals am Zweitweltkriegsdenkmal, wo uns zwei Polizisten vor der Weiterfahrt nach dem Führerschein fragten und ihn dann erst wieder gegen Zahlung von 100 Dollar (sie nannten es „Straf“, wir nennen es „Erpressung“) herausrücken wollten. Nach zähen Verhandlungen und mehrmaliger Nachfrage nach einer offiziellen Bussbescheinigung erhielten wir dann glücklicherweise den Fahrausweis zurück, ohne etwas bezahlt zu haben. Seither schauen wir im Auto immer in eine andere Richtung, wenn uns einer der vielen Polizist kontrollieren will (die wollen uns nämlich immer rauswinken), es ist ihnen dann meist zu blöd, eine Verfolgung aufzunehmen und ausserdem sind die meisten nur zu Fuss unterwegs. (Bei späteren Gesprächen mit Einheimischen haben wir dann auch erfahren, dass es ihnen mit der Polizei gleich ergeht, allerdings müssen diese lediglich jeweils zwischen 2 und 5 Dollar „Straf“ bezahlen.)

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Quchan – Grenze zu Turkmenistan

Am Vorabend vor unserem Transitvisabeginn für Turkmenistan wollten wir schon möglichst nahe zur Iranisch-Turkmenischen Grenze gelangen und übernachteten daher Quchan.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf, die Grenze zu überschreiten. An der einzigen Wechselmöglichkeit an der Grenze (ein eigentlich offizielles Wechselbüro) wurde uns eine derart schlechte Rate offeriert, dass Johanna unsere restliche iranische Währung lieber dem nächsten Iranreisenden von euch schenken will, als dem schmierigen Händler einen übermässigen Profit zu genehmigen.
Dann ging’s rein ins Grenzvergnügen: Schon auf iranischer Seite mussten wir verschiedenste Kontrollen über uns ergehen lassen (u.a. musste die korrekte Wiederausführung des Fahrzeugs im Carnet de Passage eingetragen werden), wofür ein „Pseudohelfer“ auch gleich noch 20 Dollar haben wollte. Wir aber lachten ihn aus und erledigten den Papierkram alleine und ohne Probleme. Als wir dann durch das Ausreisetor fahren wollten, war dieses verschlossen und es kam derselbe „Helfer“ mit dem Schlüssel, öffnete und wollte dafür (also dafür, dass er seinen Job erledigte) wiederum Geld sehen. Wir liessen ihn stehen und kamen dann zur letzten Kontrolle, nochmals die Polizei. Glücklicherweise hatten wir unsere iranischen Nummernschilder bereits nach der ersten Kontrolle abgenommen und so kam keiner der Polizisten darauf, die noch ausstehende Parkbusse, die wir in Yazd kassiert hatten, einzufordern (wir haben also unsere iranischen Nummernschilder behalten können). Trotzdem wurde unser Fahrzeug nochmals genau inspiziert und als zwei Kartenspiele gefunden wurden, „mussten“ wir eines davon abgeben.
Dann waren wir im Turkmenischen Grenzbereich wo uns eine unwirsche „Dame“ als erstes 22 Dollar abknöpfte (sie hatte aber einen offiziellen Beleg dafür). Dann wurden wir getrennt und Johanna musste nur kurz durch die weitere Passkontrolle, während Fabian den Spiessrutenlauf mit dem Fahrzeug auf sich nehmen durfte. Für die Desinfektion des Fahrzeuges (die gar nicht stattfand, was ihnen aber egal schien), für eine Haftpflichtversicherung (keine ausländische zählt in Turkmenistan), für die zukünftig in Turkmenistan getankten subventionierten Treibstoffe, für die Bearbeitung der Papiere (ich bin nicht sicher, ob die Aufzählung vollständig ist) mussten wir dann nochmals 120 Dollar bezahlen und zu guter Letzt wurde nochmals das Fahrzeug inspiziert und weil es so lustig ist, wurde das ganze noch von einer Handkamera eines Soldaten mitgefilmt. Danach war’s geschafft und wir fuhren weiter Richtung Ashgabat.

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